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Der OpenAI-Code auf Ihrer Website sammelt mehr, als Sie denken

Titelbild: Der OpenAI-Code auf Ihrer Website sammelt mehr, als Sie denken
Das Pixel für Werbung in ChatGPT kann Besucherdaten übermitteln

Seit dem 31. August können Firmen in Deutschland Werbung in ChatGPT schalten. Um zu messen, ob sich die Anzeigen lohnen, binden Werbetreibende einen Code von OpenAI in ihre Website ein. Laut einer Analyse eines unabhängigen Forschers übermittelt dieser Code Ort und Postleitzahl Ihrer Besucher an OpenAI, dazu E-Mail-Adresse, Telefonnummer und Name in gehashter Form.

Und noch etwas: Diese Daten können dem ChatGPT-Konto Ihrer Besucher zugeordnet werden. Sie als Website-Betreiber sehen davon nichts.

Im Folgenden: was genau übertragen wird, warum der Code Daten senden kann, bevor jemand auf „Akzeptieren“ klickt, und wie Sie Ihre Website in zwei Minuten selbst prüfen.

Vorab kurz erklärt

Ein Tracking-Pixel ist ein kleines Code-Schnipsel, das eine Firma in ihre Website einbindet. Besucher sehen es nicht. Der Code meldet dem Werbesystem, wer über eine Anzeige kam und was er auf der Website getan hat: eine Seite aufgerufen, etwas in den Warenkorb gelegt, ein Formular abgeschickt, bestellt. Solche Codes gibt es von Google und Meta, jetzt auch von OpenAI.

Das Cookie-Banner ist das Fenster „Wir verwenden Cookies“ mit den Schaltflächen „Akzeptieren“ und „Einstellungen“. Laut Digiday darf ein Werbepixel in der EU erst Daten senden, wenn der Besucher eingewilligt hat.

Digiday ist ein US-Fachmedium für Werbung. Axeptio ist ein französischer Anbieter einer Consent-Management-Plattform, also von Cookie-Bannern für Websites.

Woher wir das wissen

Am 20. September hat ein Forscher eine Analyse des Werbecodes von OpenAI veröffentlicht. Er hat aufgeschlüsselt, welche Daten der Code von den Websites der Werbekunden verschickt. Getestet hat er auf einem Android-Smartphone. Ob deutsche Websites dabei waren, geht aus der Analyse nicht hervor.

Die zweite Quelle ist ein Beitrag von Axeptio vom 8. September, der erklärt, wie der Code in Europa funktioniert und wie man ihn einrichtet. Die dritte ist ein Artikel von Digiday vom 1. Mai darüber, wie OpenAI die Werbung für Europa vorbereitet hat.

Auf Anfrage des Forschers hat sich OpenAI inhaltlich nicht geäußert. Das hat mich am wenigsten überrascht: Wer Werbung verkauft, spricht ungern darüber, was er alles sammelt.

Was der Code an OpenAI übermittelt

Laut der Analyse werden Land, Region, Ort und Postleitzahl der Besucher im Klartext an OpenAI übertragen. Die Postleitzahl war das am häufigsten erfasste Feld: Sie tauchte auf 28 Websites auf.

E-Mail-Adresse, Telefonnummer, Vor- und Nachname werden vorher gehasht, also in einen Hashwert umgewandelt, eine Art digitalen Fingerabdruck. Daraus lässt sich die Adresse nicht ohne Weiteres zurückgewinnen. Dieselbe E-Mail-Adresse ergibt aber immer denselben Fingerabdruck, und daran lässt sich ein Mensch wiedererkennen.

Außerdem werden die URLs der aufgerufenen Seiten übertragen.

Ist der Besucher gerade bei ChatGPT angemeldet, wird all das laut der Analyse seinem Konto zugeordnet. Ist er nicht angemeldet, vergibt der Code trotzdem eine Kennung, und diese Kennung bleibt mindestens 27 Tage gespeichert.

Stellen Sie sich einen Kunden vor, der bei Ihnen ein Kontaktformular ausfüllt: Name, E-Mail, Ort, Postleitzahl. Laut der Analyse gehen Ort und Postleitzahl aus diesem Formular unverändert an OpenAI, Name und E-Mail als Hashwert, und all das kann seinem ChatGPT-Konto zugeordnet werden. Der Kunde hat Ihnen geschrieben, nicht OpenAI. Genau das hat mich an dieser Analyse am meisten beschäftigt.

Der Code läuft auf Ihrer Website. Also wird man Sie danach fragen

Warum der Code Daten senden kann, bevor jemand einwilligt

Laut Digiday hat OpenAI den Code mit einem Consent-Modus ausgestattet: Werbetreibende können damit vor dem Tracking um Einwilligung bitten, und widerruft der Besucher sie, stellt der Code die Datenerfassung ein.

Laut Axeptio ist der Code aber standardmäßig so eingestellt, als hätte der Besucher bereits eingewilligt. Erst wenn das Cookie-Banner entsprechend konfiguriert ist, wartet er, bis der Besucher auf „Akzeptieren“ klickt.

So kommt es schnell dazu. Das Marketing sagt: „Bitte den OpenAI-Code einbauen, wir starten die Kampagne.“ Die Agentur baut den Code ein und lässt das Banner, wie es ist. Dann sendet der Code Daten, ohne zu fragen. Das Unangenehme daran: Von außen sieht die Website genauso aus wie vorher, und niemandem fällt etwas auf.

Wen man danach fragt

Der Code läuft auf Ihrer Website. Der Besucher war auf Ihrer Website, und die Frage nach seinen Daten wird man Ihnen stellen. Die Frage landet also auch bei Ihnen.

Ich bin keine Juristin und kann nicht beurteilen, ob eine bestimmte Einstellung rechtswidrig ist. In den Quellen steht dazu nichts. Aber ob das Banner auf Ihrer Website den Code bis zur Einwilligung blockiert, sollten Sie selbst wissen. Wenn Sie es erst von einem Besucher erfahren, ist es zu spät.

So prüfen Sie Ihre Website in zwei Minuten selbst

Sie müssen nicht auf die Agentur warten. Der OpenAI-Code sendet Daten an die Domain bzr.openai.com. Danach suchen wir.

Öffnen Sie Ihre Website im Browser am Computer. Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf eine freie Stelle der Seite und wählen Sie „Seitenquelltext anzeigen“. Es öffnet sich ein neuer Tab mit dem Quelltext. Drücken Sie Strg+F (auf dem Mac Cmd+F) und geben Sie „bzr“ ein.

Findet sich weder auf der Startseite noch auf der Seite mit dem Kontaktformular ein Treffer, ist der Code wahrscheinlich nicht eingebunden. Gibt es einen Treffer, ist der Code da, und die nächste Frage an die Agentur lautet, ob das Banner ihn bis zur Einwilligung blockiert. Ich habe drei Seiten meiner eigenen Websites geprüft: Auf keiner taucht eine OpenAI-Adresse auf. Ich schalte keine Werbung in ChatGPT, also brauche ich den Code auch nicht.

Eine Einschränkung: Manche Websites binden Werbecodes über ein Tag-Management-System ein, zum Beispiel den Google Tag Manager. Dann ist die OpenAI-Adresse im Seitenquelltext nicht zu sehen. Wenn Sie so etwas nutzen, fragen Sie Ihre Agentur direkt.

Was Sie tun können

Erstens: Fragen Sie Ihre Webagentur, ob der OpenAI-Code in Ihre Website eingebunden ist. Wenn Sie keine Werbung in ChatGPT schalten, sollte die Antwort Nein lauten. Ist er eingebunden, klären Sie, wer ihn eingebaut hat und warum.

Zweitens: Ist der Code da, fragen Sie, ob das Cookie-Banner ihn bis zur Einwilligung blockiert. Lassen Sie sich bei einem Testbesuch zeigen, dass der Code keine Daten sendet, solange niemand auf „Akzeptieren“ geklickt hat.

Drittens: Falls Sie planen, Werbung in ChatGPT zu schalten, machen Sie es der Agentur vor dem Start zur Bedingung, dass der OpenAI-Code erst nach einem Klick auf „Akzeptieren“ aktiv wird. Wie die Werbung selbst funktioniert und was ein Klick kostet, habe ich in meinem Artikel über Werbung in ChatGPT erklärt.

Kurze Antworten

Was ist das OpenAI-Pixel? Ein kleines Code-Schnipsel, das Werbetreibende in ihre Website einbinden, wenn sie Werbung in ChatGPT schalten. Es meldet OpenAI, wer über die Anzeige kam und was er auf der Website getan hat.

Welche Daten übermittelt es? Laut einer am 20. September veröffentlichten Analyse eines unabhängigen Forschers: Ort und Postleitzahl im Klartext, E-Mail-Adresse, Telefonnummer und Name als Hashwert, dazu die URLs der aufgerufenen Seiten.

Wartet es auf die Einwilligung der Besucher? Laut Axeptio standardmäßig nicht. Bis zur Einwilligung wird es nur durch ein entsprechend konfiguriertes Cookie-Banner blockiert.

Was sollten Website-Betreiber tun? Die Agentur fragen, ob der OpenAI-Code eingebunden ist und ob das Banner ihn bis zur Einwilligung blockiert. Wer keine Werbung in ChatGPT schaltet, braucht den Code nicht.

Kurz gefasst

Frage Antwort
Was ist das? Werbecode von OpenAI, den Werbetreibende einbinden, wenn sie in ChatGPT werben
Seit wann gibt es die Werbung in Deutschland? Seit dem 31. August 2026
Was wird im Klartext übertragen? Land, Region, Ort, Postleitzahl
Was wird als Hashwert übertragen? E-Mail-Adresse, Telefonnummer, Vor- und Nachname
Was wird außerdem übertragen? URLs der Seiten, die der Besucher aufgerufen hat
Wartet der Code von selbst auf die Einwilligung? Standardmäßig nein, nur ein konfiguriertes Banner blockiert ihn
Was tun? Agentur fragen: Ist der Code da, und blockiert ihn das Banner?

Werbung in ChatGPT geht denselben Weg wie die Werbung von Google und Meta: Auf die Anzeige folgt ein Code auf der Website des Werbekunden, der misst, ob sich die Anzeige gelohnt hat. Jeder dieser Codes ist eine weitere Tür, durch die Daten Ihrer Besucher Ihr Haus verlassen. Manche Türen sind nützlich, und man muss nicht alle schließen. Aber Sie sollten wissen, welche offen stehen.

Wann haben Sie Ihre Agentur zuletzt gefragt, welche Codes von Drittanbietern auf Ihrer Website laufen und welche davon auf die Einwilligung der Besucher warten?

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